DB0TRS: 439,125 Mhz
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SOTA... mit Hindernissen

08. August 2012: SOTA Aktivierung des Jenner (BGL) (SOTA Ref. No. DL/BG-062)
in JN67MN auf 1.874m über NN

Die Vorbereitungsphase unserer SOTA-Aktivierung des Jenners (1.873 m) begann zunächst mit einer Prüfung
meines bewährten Achtsiebenundneunzigers, eines bekannten japanischen Herstellers. Das Ding an meinen
Beam, Spannung anlegen und über die Bänder kurbeln. HF testen – geht noch Leistung raus? Modulation in
Ordnung? Test QSO´s zauberten mir ein Lächeln auf Gesicht. Check – alles OK. Vom Transceiver zur Antenne
benötigt man ein Kabel! 10m Koax mit PL-Steckern habe ich mir mal für SOTA hergerichtet. Sauber habe ich
damals die Enden der Kabel, am Übergang auf den Stecker,  mit Schrumpfschläuchen konfektioniert. Schnell
zwischen Transceiver und Beam gesteckt und geprüft! Check – alles OK. Weiter mit der Antenne. Zurzeit bin
ich mit einer HF-P1 auf einem kleinen Alu-Stativ in den Bergen unterwegs. Hat sich als sehr praktisch und
effektiv bei meinen Portabel-Aktivitäten herausgestellt. Alle mechanischen Teile wie Abstimmspule, Schrauben
und Radials auf Funktion und Vorhandensein getestet. Check – alles OK.

So, alles beieinander. Noch schnell das Hand-Logbuch mit Kugelschreibmaschine und einer
Ersatzkugelschreibmaschine im Rucksack verstaut und den achtsiebenundneunziger zum Laden der beiden
internen Accus am Ladegerät angeschlossen. Check – alles OK. Die Accus nehmen Ladestrom auf und nach
ca. 3 Std. zeigt mir das  LCD-Display meiner Stromtankstelle einen erfolgreichen Energietransfer von 4,8 Ah
pro Accu an. Das reicht locker für 3 Std. QRP Betrieb. Damit ja nix schiefgeht, habe ich meinen
Achtsiebenundneunziger gleich mit zwei internen Accus beglückt. Somit habe ich über 9Ah Energie getankt,
die Technik gecheckt und die Bergschuhe schon mal ins Treppenhaus gestellt. Morgen um zehn soll´s
losgeh´n…

Von diesem Zeitpunkt an beschlich mich immer wieder ein Gefühl von der Art „du hast was vergessen“.
Dieses Gefühl kennt jeder und holte mich immer wieder ein. Das hat was zu Bedeuten! Aber was? Alles
nochmals gecheckt! Keine Auffälligkeiten festgestellt und Gefühl als Irrtum abgetan. Was soll man auch sonst
noch machen?

 

Nächster Tag – SOTA-Tag! Pünktliche Abfahrt am Heimatstandort. Alles eingepackt und die Bergschuhe nicht
vergessen! Nach einer Stunde Anfahrt und erfolgreicher Parkplatzsuche stand mein KFZ zwischen den, viel zu
eng eingeteilten, Markierungen und die beste Ehefrau von allen mitsamt unserer ersten Oberwelle kletterten
aus dem selbigen. Rücksäcke raus aus dem Kofferraum - Ich, die beste Ehefrau von allen und unsere erste
Oberwelle fädelten sich in die Schulterriemen der Transporthilfen. Los ging es Richtung Bergbahntalstation.


Ticket gelöst, die Gondel bestiegen und schon nahm uns moderne Technik einen großen Teil des Aufstieges
ab. Oben spuckte uns die Gondel erwartungsgemäß wieder aus und wir machten uns, nach einer kurzen
Orientierungsphase, auf den Weg zum Gipfel. 20 Minuten Fußmarsch bis zur Aussichtplattform plus eine
kleine Kletterpartie zum Gipfelkreuz bringen mich zu meinem ersehnten Portabel-QTH.

Erst mal verschnaufen, dann aber schnell die Antenne aufbauen. Kurzer Rundumblick und ein geeigneter
Standort war zwischen den ganzen Erholungssuchenden gefunden. Da war es nun plötzlich wieder, dieses
Gefühl „ich hab´ was vergessen“. Und in diesem Moment der Sternstunde das Amateurfunks personifizierte
sich das Grauen aller SOTA-Aktivisten: Du hast wirklich was vergessen. Zu meinem Entsetzten stellte ich in
diesem Momente das Fehlen des Antennenfußes fest! Keine niederohmige elektrische Verbindung zwischen
dem Koaxkabel und dem Wellenfänger – nur Hochohmigkeit. Sh…., was nun? (Fast) kein Problem: Heute
dann eben keine Kurzwelle vom Gipfel – UKW war angesagt. Zwei Meter? OK! Frequenz 145.500 Mhz und
145.525 Mhz. Nach 45 Minuten CQ, CQ, CQ SOTA: Zwei Stationen im Log – Ernüchternd, das bin ich von
Kurzwelle nicht gewohnt.

Ein Alternativwellenfänger für 20m musste her! Das heißt rechnen: Für einen 20m Halbwellendipol brauche
ich ca. 10m Draht. Minus Verkürzungsfaktor heißt das ungefähr 4,9m nach links und ungefähr 4,9m nach
rechts. Der Draht war schnell gefunden: Die Radials meiner HF-P1 mussten herhalten.

Nun war die Länge das Problem. Meterstab? – Fehlanzeige. Aber, bei der letzten Längenmessung unserer
ersten Oberwelle wurde eine Länge von 1,5m festgestellt. Draus ergibt sich folgende Rechnung:

2 x ((3 x erste Oberwelle) + (2 x Länge von Daumenspitze zum Mittelfinger)) = Halbwellendipol für 20m!

Ab in die Praxis: Drähte zugeschnitten, abisoliert (mein Dentist möge mir verzeihen),  elektrisch verbunden und
am Gipfelkreuz befestigt. SWR-Check: Kaum Rücklauf! Unglaublich – es funktioniert!

Schnell eine freie Frequenz im Bereich um die 14.270 Mhz  gesucht und mit 5 Watt CQ gerufen. Sofort wurde
meine SOTA-Aktivität von G3VXJ mit 55 quitiert. Im Minutentakt füllte sich mein Log und das, von er besten
Ehefrau von allen, ersehnte Lächeln kehrte wieder in mein Gesicht zurück.

Bild: Beste Ehefrau von allen und unsere erste Oberwelle.

Das fehlende Teil fand sich übrigens, nach der Rückkehr zum KFZ, auf dem Dachgepäckträger wieder. Dort
war es noch von der letzten Portabelaktivität nicht wieder demontiert und am SOTA-Equipment wieder montiert
worden.

Stay tuned & 73 de Wolfgang
DG2MEL